27 Jan
27Jan

Warum auditive Überforderung kein Hörproblem ist – sondern ein Thema der Verarbeitung

Wenn Geräusche zu viel werden

Viele Menschen beschreiben es so:

Geräusche werden plötzlich zu laut, zu nah, zu viel. Gespräche ermüden, Alltagslärm überfordert, Stille wird zur dringend benötigten Erholung.

Medizinisch ist das Gehör oft unauffällig – und doch fühlt sich alles nach Überlastung an.
Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) liegt der Schlüssel hier nicht primär beim Ohr, sondern beim Dünndarm.


Der Dünndarm in der TCM – mehr als Verdauung

In der TCM hat der Dünndarm eine zentrale Aufgabe:

Er trennt das Reine vom Unreinen.

Diese Funktion bezieht sich nicht nur auf Nahrung, sondern ebenso auf:

  • Informationen
  • Sinnesreize
  • emotionale Eindrücke
  • auditive Wahrnehmung

Der Dünndarm entscheidet, was aufgenommen, weitergeleitet oder ausgeschieden wird.

Übertragen auf das Nervensystem bedeutet das:

Er ist maßgeblich daran beteiligt, Reize zu filtern, zu gewichten und zu sortieren.


Dünndarm & Gehör – die direkte Verbindung

Meridianverlauf und Funktion

Der Dünndarm-Meridian verläuft:

  • über Schulterblatt und oberen Rücken
  • durch Nacken und Hals
  • bis zum Ohr

Das erklärt, warum bei auditiver Überlastung häufig gleichzeitig auftreten:

  • Geräuschempfindlichkeit
  • Spannung zwischen den Schulterblättern
  • Nackenverspannung
  • Kopflastigkeit

Das Ohr ist in diesem Zusammenhang Teil einer Verarbeitungsachse, nicht ein isoliertes Sinnesorgan.


Warum Reizüberflutung oft über das Gehör beginnt

Das Gehör ist permanent offen. Es gibt kein „Augenlid fürs Ohr“.

Reize treffen ungefiltert ein – die Filterung muss zentral erfolgen.Wenn der Dünndarm energetisch oder funktionell überlastet ist:

  • fehlt die klare Trennschärfe
  • Hintergrund und Wesentliches vermischen sich
  • alles wird gleich wichtig

Das Nervensystem gerät in Daueranspannung.

Reizüberflutung ist deshalb häufig ein Filterproblem, kein Hörproblem.


Dünndarm & Herz – wenn Bewusstsein überfordert wird

Der Dünndarm ist der Yang-Partner des Herzens.

  • Das Herz steht für Bewusstsein, Präsenz und Shen
  • der Dünndarm für Sortierung und Weiterleitung

Wenn der Dünndarm seine Filterfunktion nicht mehr ausreichend erfüllen kann:

  • strömen zu viele Reize ungeordnet ins Herz
  • der Geist wird unruhig
  • Gedanken kreisen
  • Geräusche „gehen direkt ins Nervensystem“

Viele Betroffene beschreiben genau das.


Zusammenhang mit Wahrnehmungsstörungen & Neurodivergenz

Auditive Überempfindlichkeit tritt häufig gemeinsam auf mit:

  • Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen
  • Dyspraxie
  • ADHS
  • Autismus-Spektrum
  • hoher Stressbelastung oder Erschöpfung

In all diesen Fällen ist nicht das Sinnesorgan das Problem, sondern die Reizverarbeitung.

In der TCM und im Shiatsu beschreiben wir diesen Zustand oft als:

  • Dünndarm-Schwäche oder -Überforderung
  • kombiniert mit Leber-Spannung und Milz-Erschöpfung

Shiatsu bei auditiver Reizüberflutung

Shiatsu kann hier besonders wirksam sein, weil es:

  • nicht stimuliert, sondern beruhigt
  • nicht überfordert, sondern ordnet
  • nicht korrigiert, sondern integriert

Bewährte Prinzipien

  • Arbeit entlang des Dünndarm-Meridians am Rücken
  • Arbeit an Kopf und Nacken
  • flächiger, ruhiger Kontakt im Schulterblattbereich
  • Verbindung zu Hara und Zentrum
  • gleichmäßiger Rhythmus statt Technikvielfalt

Ziel ist nicht, Reize auszuschalten, sondern dem System wieder Unterscheidungsfähigkeit zu ermöglichen.


Alltaglich den Dünndarm unterstützen

Ernährung

  • warm, gekocht, einfach
  • wenige Zutaten
  • regelmäßige Mahlzeiten
  • stärken mit Kuzu

Einfachheit hilft dem Dünndarm zu lernen, zu trennen.

Nervensystem

  • bewusste akustische Pausen
  • Stille nach Gesprächen
  • keine parallelen Tonquellen

Körperlich

  • Druck statt Reiz
  • Entlastung des oberen Rückens
  • sanfte, rhythmische Bewegung

Hören ist Verarbeitung

Auditive Reizüberflutung ist selten ein Problem des Ohres.

Sie ist meist Ausdruck eines überlasteten Filtersystems.

Der Dünndarm spielt dabei eine Schlüsselrolle:

  • in der Wahrnehmung
  • in der Verarbeitung
  • in der Weiterleitung von Reizen

Wer ihn stärkt, unterstützt nicht nur die Verdauung, sondern auch:

  • geistige Klarheit
  • sensorische Regulation
  • innere Ruhe

Shiatsu und ganzheitliche Körperarbeit bieten hier einen stillen, nachhaltigen Weg zurück zu mehr Ordnung im Nervensystem.


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