Ganzheitliche Sicht, Nervensystem-Logik und praktische Behandlungsansätze
Dyspraxie – fachlich häufig als Entwicklungskoordinationsstörung (DCD) bezeichnet – beschreibt eine Schwierigkeit in der motorischen Planung und Koordination von Bewegungen. Betroffene wissen in der Regel, was sie tun möchten, doch die Umsetzung im Körper gelingt nur eingeschränkt oder mit erhöhtem Aufwand.
Dabei handelt es sich nicht um:
Sondern um eine neurobiologische Besonderheit, bei der die Abstimmung zwischen Wahrnehmung, Planung und Ausführung von Bewegung weniger effizient funktioniert.
Dyspraxie kann sich äußern durch:
Dyspraxie tritt häufig in Kombination mit anderen neurodivergenten Erscheinungsformen auf, insbesondere:
Sie kann jedoch auch isoliert auftreten. Viele Erwachsene – insbesondere Frauen – erhalten die Einordnung erst spät, da Dyspraxie oft durch Anpassung, kognitive Kompensation und hohe Selbstkontrolle überdeckt wird.
Wichtig ist:
Dyspraxie ist kein Defizit, sondern eine andere Organisation des Nervensystems – mit eigenen Bedürfnissen an Rhythmus, Struktur und Regulation.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird Dyspraxie nicht als einzelnes Krankheitsbild verstanden, sondern als Muster mehrerer Funktionskreise, die nicht optimal zusammenarbeiten.
Die Nieren stehen für Jing, Knochen, Mark und Gehirn.
Eine Schwäche zeigt sich u. a. in:
Die Milz ist verantwortlich für das Verarbeiten, Ordnen und Integrieren – nicht nur von Nahrung, sondern auch von Informationen.
Typisch bei dyspraxischen Menschen:
Die Leber sorgt für freien Bewegungsfluss.
Blockaden zeigen sich in:
Das Gouverneursgefäß verbindet Gehirn und Rückenmark.
Bei Dyspraxie ist oft nicht die Fähigkeit das Problem, sondern die Integration entlang dieser Achse.
Dyspraxische Nervensysteme reagieren sensibel auf:
Deshalb braucht Shiatsu hier keine Technikfülle, sondern eine klare innere Logik.
1. Orientierung vor Intervention
Zuerst Sicherheit, Kontakt und Präsenz herstellen – nicht sofort „arbeiten“.
2. Zentrum vor Peripherie
Hara, Rücken, Becken und Wirbelsäule stehen vor Händen, Füßen oder Feinmotorik.
3. Rhythmus vor Technik
Gleichmäßige, wiederholende Sequenzen wirken regulierender als punktuelle Reize.
4. Yin statt Aktivierung
Mehr Erdung, weniger „Anregen“. Integration geschieht in der Entlastung.
5. Integration vor Abschluss
Am Ende nichts Neues hinzufügen – Raum lassen, Atem abwarten, still halten.
Ergänzend zur Körperarbeit im Shiatsu können einfache Übungen das Nervensystem unterstützen:
Regelmäßigkeit ist wichtiger als Intensität.
Nahrungsergänzungen können begleiten, ersetzen jedoch keine neuronale Integration. Aber wenn die Grundbausteine fehlen, kann man auch kein Haus bauen. Ein Bluttest bei deinem Arzt kann dir Aufschluß über etwaige Mängel geben.
Dyspraxie ist kein Mangel an Können, sondern ein anderes Zusammenspiel von Gehirn, Nervensystem und Körper.
Shiatsu bietet hier einen wertvollen Zugang, weil es:
Eine klare Behandlungslogik, Rhythmus und Präsenz sind dabei wichtiger als jede Technik.