25 Jan
25Jan

Ganzheitliche Sicht, Nervensystem-Logik und praktische Behandlungsansätze

Was ist Dyspraxie?

Dyspraxie – fachlich häufig als Entwicklungskoordinationsstörung (DCD) bezeichnet – beschreibt eine Schwierigkeit in der motorischen Planung und Koordination von Bewegungen. Betroffene wissen in der Regel, was sie tun möchten, doch die Umsetzung im Körper gelingt nur eingeschränkt oder mit erhöhtem Aufwand.

Dabei handelt es sich nicht um:

  • eine Muskelschwäche
  • eine mangelnde Motivation
  • eine intellektuelle Einschränkung

Sondern um eine neurobiologische Besonderheit, bei der die Abstimmung zwischen Wahrnehmung, Planung und Ausführung von Bewegung weniger effizient funktioniert.

Dyspraxie kann sich äußern durch:

  • Ungeschicklichkeit oder Unsicherheit in Bewegungen
  • Schwierigkeiten mit Feinmotorik (Schreiben, Knöpfe, Werkzeuge)
  • rasche Ermüdung
  • erhöhten inneren Stress bei mehrschrittigen Abläufen
  • ein diffuses Körpergefühl

Dyspraxie und Neurodivergenz – wie hängt das zusammen?

Dyspraxie tritt häufig in Kombination mit anderen neurodivergenten Erscheinungsformen auf, insbesondere:

  • ADHS
  • Autismus-Spektrum
  • Hochsensibilität

Sie kann jedoch auch isoliert auftreten. Viele Erwachsene – insbesondere Frauen – erhalten die Einordnung erst spät, da Dyspraxie oft durch Anpassung, kognitive Kompensation und hohe Selbstkontrolle überdeckt wird.

Wichtig ist:

Dyspraxie ist kein Defizit, sondern eine andere Organisation des Nervensystems – mit eigenen Bedürfnissen an Rhythmus, Struktur und Regulation.


Dyspraxie aus Sicht von TCM & Shiatsu

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird Dyspraxie nicht als einzelnes Krankheitsbild verstanden, sondern als Muster mehrerer Funktionskreise, die nicht optimal zusammenarbeiten.

Nieren – Essenz, Sicherheit, neurologische Basis

Die Nieren stehen für Jing, Knochen, Mark und Gehirn.

Eine Schwäche zeigt sich u. a. in:

  • unsicherem Körpergefühl
  • verzögerter neurologischer Integration
  • schneller Erschöpfung

Milz – Verarbeitung und Integration

Die Milz ist verantwortlich für das Verarbeiten, Ordnen und Integrieren – nicht nur von Nahrung, sondern auch von Informationen.

Typisch bei dyspraxischen Menschen:

  • „Ich verstehe es, aber mein Körper setzt es nicht um“
  • Überforderung bei komplexen Abläufen

Leber – Fluss, Koordination und Spannung

Die Leber sorgt für freien Bewegungsfluss.

Blockaden zeigen sich in:

  • ruckeligen Bewegungen
  • innerem Druck
  • Frustration und Selbstkritik

Du Mai – Zentralkanal und Integration

Das Gouverneursgefäß verbindet Gehirn und Rückenmark.

Bei Dyspraxie ist oft nicht die Fähigkeit das Problem, sondern die Integration entlang dieser Achse.


Shiatsu bei Dyspraxie – warum eine klare Behandlungslogik entscheidend ist

Dyspraxische Nervensysteme reagieren sensibel auf:

  • Überstimulation
  • schnelle Technikwechsel
  • zielorientiertes „Korrigieren“

Deshalb braucht Shiatsu hier keine Technikfülle, sondern eine klare innere Logik.

Grundprinzipien einer sinnvollen Shiatsu-Behandlung bei Dyspraxie

1. Orientierung vor Intervention

Zuerst Sicherheit, Kontakt und Präsenz herstellen – nicht sofort „arbeiten“.

2. Zentrum vor Peripherie

Hara, Rücken, Becken und Wirbelsäule stehen vor Händen, Füßen oder Feinmotorik.

3. Rhythmus vor Technik

Gleichmäßige, wiederholende Sequenzen wirken regulierender als punktuelle Reize.

4. Yin statt Aktivierung

Mehr Erdung, weniger „Anregen“. Integration geschieht in der Entlastung.

5. Integration vor Abschluss

Am Ende nichts Neues hinzufügen – Raum lassen, Atem abwarten, still halten.


Mini-Übungsprotokoll für den Alltag (5–10 Minuten)

Ergänzend zur Körperarbeit im Shiatsu können einfache Übungen das Nervensystem unterstützen:

  1. Zentrierender Atem (2 Minuten)
    Eine Hand auf Bauch, eine auf Brust. Ruhiger Atem, ohne Ziel.
  2. Sanfte Kreuzbewegung (2–3 Minuten)
    Rechter Arm – linkes Bein, langsam und bewusst.
  3. Propriozeptiver Druck (2 Minuten)
    Hände gegeneinander drücken oder mit Widerstandsband arbeiten.
  4. Wirbelsäulen-Rocking (1–2 Minuten)
    In Rückenlage, minimale Beckenkippung, rhythmisch.

Regelmäßigkeit ist wichtiger als Intensität.


Nahrungsergänzung – unterstützend, nicht ersetzend

Nahrungsergänzungen können begleiten, ersetzen jedoch keine neuronale Integration. Aber wenn die Grundbausteine fehlen, kann man auch kein Haus bauen. Ein Bluttest bei deinem Arzt kann dir Aufschluß über etwaige Mängel geben.

  • Magnesium
  • Omega-3-Fettsäuren
  • Vitamin-B-Komplex
  • Zink
  • Vitamin D

Dyspraxie braucht Integration, nicht Optimierung

Dyspraxie ist kein Mangel an Können, sondern ein anderes Zusammenspiel von Gehirn, Nervensystem und Körper.

Shiatsu bietet hier einen wertvollen Zugang, weil es:

  • nicht korrigiert
  • nicht überfordert
  • sondern reguliert, integriert und stabilisiert

Eine klare Behandlungslogik, Rhythmus und Präsenz sind dabei wichtiger als jede Technik.

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