Wenn das Nervensystem aus dem Gleichgewicht geraten ist, fühlt sich die innere Welt oft chaotisch, angespannt oder taub an. Viele Menschen beschreiben es, als würde ihr Körper ständig auf der Lauer liegen – oder im Gegenteil, wie betäubt, abgeschnitten, kraftlos.Traumasensible Berührung begegnet genau diesem Zustand: mit Achtsamkeit, mit Respekt, mit Klarheit. Und im Shiatsu bedeutet das, den Körper dabei zu unterstützen, wieder in einen Zustand innerer Sicherheit zurückzufinden – ohne das Trauma selbst zu bearbeiten.
Das autonome Nervensystem pendelt normalerweise flexibel zwischen Anspannung (Sympathikus) und Entspannung (Parasympathikus). Wenn es jedoch durch Stress, Überforderung, Schock oder Trauma aus dem Gleichgewicht fällt, bleiben viele Menschen in einem dieser Extreme „hängen“.
Viele Menschen pendeln übrigens zwischen beiden Zuständen – ein Zeichen dafür, dass das Nervensystem versucht, irgendwie zu kompensieren.
Shiatsu basiert auf achtsamer, nicht-invasiver Berührung, auf Druckpunkten entlang der Meridiane, auf Atmung, Rhythmus und Kontakt. Genau diese Elemente sprechen direkt die Körperintelligenz an – eine Ebene, die tiefer arbeitet als Worte. Bei einer traumasensiblen Shiatsu-Behandlung liegt der Fokus darauf, den Körper wieder in ein Gefühl von innerer Sicherheit zu begleiten.Nicht durch Drücken, Manipulieren oder „Reparieren“.Sondern durch Präsenz, Boden, Kontakt und Regulation.
Viele dysregulierte Körper verlieren die Verbindung nach unten.Mit gezielten Techniken – etwa Stützdruck, Arbeit am Hara, Kontakt zu Füßen und Beinen – bekommt das Nervensystem ein klares Signal:„Du bist hier. Du bist gehalten. Du bist sicher.“
Ich arbeite nicht in Bereichen, wo der Körper in Stressantworten kippt.Das Ziel ist Stabilisierung, nicht Aktivierung.
Langsamkeit ist Regulation.Sie holt den Körper aus dem Alarmmodus.
Traumasensibles Shiatsu priorisiert Präsenz – nicht das „Abarbeiten“ von Punkten.Der Körper darf selbst bestimmen, wie tief er geht.
Durch Rhythmus, Druck und Atembegleitung wird der Vagusnerv angesprochen.Der Körper gleitet in einen Zustand, in dem Erholung überhaupt möglich ist.
Der Vagusnerv ist der Hauptnerv des Parasympathikus – also jenes Systems, das für Beruhigung, Regeneration und soziale Verbundenheit zuständig ist.Er ist gewissermaßen die „Bremsleitung“ im Körper.Wenn er gut funktioniert, können wir:
Doch bei vielen Menschen, besonders neurodivergenten (ADHS, ASS, HSP), arbeitet der Vagusnerv weniger effizient oder reagiert verzögert.
Neurodivergente Personen berichten häufig, dass ihr Nervensystem sehr schnell in Alarm geht und nur sehr langsam wieder hinunterfährt.Grund dafür ist oft ein schwächer ausgeprägter vagaler Tonus – also die Fähigkeit des Vagusnervs, nach Aktivierung wieder in die Ruhe zu führen.
Gerade neurodivergente Menschen profitieren daher enorm von Körperarbeit, die sanft den Vagus stimuliert.
Shiatsu wirkt genau in diesem System:
Die langsamen, klaren Techniken sprechen den Vagus direkt an. Der Körper versteht diese Berührung als „Sicherheits-Signal“.
Wenn der Kontakt tief und weich wird, vertieft sich die Atmung automatisch – und damit steigt der vagale Ton.(Atmung ist eine direkte „Fernbedienung“ des Vagus.)
Ein Großteil des Vagus verläuft durch den Bauchraum.Wenn hier Weichheit entsteht, reguliert sich oft das gesamte System.
Das ist der Teil, der für soziale Verbundenheit zuständig ist.Durch Präsenz, sicheren Kontakt und klare Grenzen entsteht genau dieses Gefühl:Ich bin hier. Ich bin sicher. Ich bin nicht allein.
Meridiane wie Milz, Niere, Herz und Ren Mai unterstützen die vagale Regulation, weil sie auf Stabilität, Sicherheit und Zentrierung wirken.
Der Vagus ist die Leitstelle für:
Je besser der Vagus arbeitet, desto stabiler bleibt das Nervensystem im „Fenster der Toleranz“.Und genau dort kann Heilung, Integration und Ruhe stattfinden.
Traumasensibles Shiatsu ersetzt keine Psychotherapie.Ich arbeite nicht am Trauma, nicht an Erinnerungen, nicht an Inhalten. Ich arbeite am Nervensystem, an der Körperintelligenz, an der Fähigkeit zur Regulation. Das ist ein wesentlicher Unterschied – und gleichzeitig eine große Chance:Denn ein Körper, der wieder ruhiger und stabiler ist, kann psychotherapeutische Prozesse überhaupt erst tragen.
Viele Menschen wissen intellektuell sehr genau, warum sie gewisse Muster haben.Doch Wissen allein reguliert kein Nervensystem. Der Körper muss sich sicher fühlen.Der Körper muss entspannen können.Der Körper muss Zugang zur eigenen Kraft bekommen. Genau dort setzt traumasensibles Shiatsu an:Es bringt den Menschen zurück in ein fühlbares „Ja“ zum eigenen Körper.
Der Körper entscheidet immer das Tempo.Du brauchst nichts leisten, nichts erzählen, nichts „bearbeiten“.Du darfst einfach ankommen.
Für Menschen, die…
Shiatsu kann hier wie ein Reset wirken – vorausgesetzt, es geschieht mit Fingerspitzengefühl und traumasensibler Haltung.
Traumasensibles Shiatsu ist kein „Tool“, sondern eine Weg:achtsam, klar, respektvoll und zutiefst menschlich. Wenn das Nervensystem aus der Balance fällt, braucht es keinen Druck und keine Konfrontation – sondern Präsenz, Wärme und einen sicheren Rahmen.Über Berührung kann der Körper wieder lernen, zur Ruhe zu kommen, Spannung abzulegen und sich selbst zu regulieren.
Und genau dort beginnt echte Kraft.