Jeden Tag atmen wir etwa 20.000-mal, meist ohne es zu merken. Doch in diesen scheinbar automatischen Atemzügen verbirgt sich ein Schatz: die wohl schnellste und natürlichste Möglichkeit, unser inneres Gleichgewicht zu beeinflussen. Atmung ist ein direkter Zugang zu unserem Nervensystem, unseren Emotionen und unserem mentalen Zustand – und doch behandeln wir sie, als wäre sie eine Nebensache.
Atmen ist nicht bloß Sauerstoffaufnahme. Es ist Kommunikation.Zwischen Körper und Geist.Zwischen Nervensystem und Emotion.Unser Atem reagiert auf jede Empfindung:
Die Atmung spiegelt unseren inneren Zustand wider – und gleichzeitig können wir durch bewusste Atmung diesen Zustand aktiv verändern.
Über den Atem beeinflussen wir den Vagusnerv und somit das vegetative Nervensystem. Die Konsequenz:Wir können innerhalb weniger Minuten von Kampf-oder-Flucht (Sympathikus) in Ruhe und Regeneration (Parasympathikus) wechseln.Das bedeutet: Atmung ist Selbstregulation in Echtzeit.Ohne Hilfsmittel, ohne Aufwand, überall verfügbar.
Viele Menschen bemerken erst, dass sie angespannt sind, wenn die Schultern hochgezogen sind oder der Kopf brummt. Doch einer der ersten Indikatoren ist: Die Atmung wird flach. Sie rutscht nach oben in den Brustraum und verliert an Tiefe.Dieser Atemmodus ist wie ein Dauer-Alarm im Körper. Je öfter er auftritt, desto schneller gewöhnt sich das Nervensystem daran – und irgendwann wird ein oberflächlicher Atem zur Norm. Die Folge:
Bewusste Atemarbeit bringt dich wieder zurück zu dir. Sie verlangsamt, erdet, klärt und schafft Raum – im Körper wie im Geist.
Zwischen Atem und Gefühl besteht eine untrennbare Wechselwirkung:
Atmen ist weit mehr als eine körperliche Funktion.In der westlichen Physiologie reguliert sie das vegetative Nervensystem.In der TCM nährt sie das Lungen-Qi, sorgt für Klarheit im Geist und unterstützt die Fähigkeit, Gefühle fließen zu lassen.Die Atmung reagiert auf jede innere Bewegung:
| Emotion | Typische Atemreaktion |
|---|---|
| Angst & Stress | flach, schnell, oben in der Brust |
| Traurigkeit | schwer, seufzend |
| Wut | gepresst, hitzig, ungleichmäßig |
| Ruhe | tief, warm, gleichmäßig |
Ein freier Atemfluss unterstützt innere Präsenz, emotionale Stabilität und mentale Klarheit. Wird der Atem eng, engt sich auch das Erleben – körperlich wie emotional.
Atemtechniken sind keine „Notfall-Strategie“, sondern ein Training für mehr innere Stabilität. Wer regelmäßig übt, baut eine stärkere Stress-Resilienz auf und schafft einen inneren Anker. Schon wenige Minuten täglich reichen, um eine spürbare Veränderung zu bewirken.
Diese Technik aktiviert den Parasympathikus und schafft innere Ruhe.So geht’s:
Diese Kombination fördert Weite im Brustraum und weckt frisches Qi.So geht’s:
Hilft, innere Hitze, Druck oder Wut abzuleiten.So geht’s:
Gurlit Oppolzer ist Shiatsu-Therapeutin und ganzheitlicher Coach für Emotionsmanagement und Nervensystem-Regulation. In ihrer Arbeit verbindet sie Körperarbeit, Bewusstseinsentwicklung und praktische Methoden zur Selbstregulation, um Menschen zurück in innere Balance und Klarheit zu begleiten.