Arthrose gilt landläufig als klassische „Alterserscheinung“. Doch diese Vorstellung greift zu kurz. In meiner Praxis – und das deckt sich mit aktuellen medizinischen und körpertherapeutischen Erkenntnissen – begegnen uns arthrotische Veränderungen zunehmend auch bei jüngeren Menschen. Dieser Artikel bringt Klarheit: Was Arthrose wirklich ist, warum sie entsteht und welche Rolle Shiatsu dabei spielen kann.
Arthrose ist eine degenerative Gelenkveränderung, bei der sich der Gelenkknorpel schrittweise abbaut. Der Knorpel dient als Gleit- und Schutzschicht zwischen den Knochen. Wird er dünner, trockener oder rissig, steigt die Reibung im Gelenk. Die Folge können sein:
Wichtig: Arthrose ist kein reiner Verschleiß, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus mechanischer Belastung, Gewebestoffwechsel, Nervensystem und Regenerationsfähigkeit.
Das Alter begünstigt Arthrose – es ist aber nicht die Ursache. Arthrotische Prozesse beginnen oft Jahre oder Jahrzehnte früher.
Häufige Auslöser sind:
Einseitige Bewegungsmuster, schwere körperliche Arbeit, intensiver Sport oder schlecht verheilte Verletzungen verändern langfristig die Gelenkmechanik.
Gelenkknorpel wird nicht direkt durchblutet. Er ist auf Bewegung, Druck- und Entlastungswechsel angewiesen. Ohne diese „Ernährung“ verliert er an Qualität.
Dauerhaft erhöhter Muskeltonus zieht Gelenke aus ihrer natürlichen Zentrierung. Druck verteilt sich ungünstig – das Gelenk arbeitet permanent unter Stress.
Chronischer Stress erhöht die Grundspannung im Körper, verschlechtert Regeneration und verstärkt Schmerzwahrnehmung. Arthrose ist oft auch ein neurophysiologisches Thema.
Stille Entzündungen, hormonelle Dysbalancen oder ein überlasteter Stoffwechsel können degenerative Prozesse beschleunigen.
Shiatsu betrachtet Arthrose nicht isoliert als „kaputtes Gelenk“, sondern als Ausdruck von gestörtem Fluss, mangelnder Anpassungsfähigkeit und chronischer Überlastung.
Wichtig und ehrlich:
Shiatsu kann keinen verlorenen Knorpel regenerieren.
Aber Shiatsu kann sehr wohl:
Shiatsu arbeitet nicht „am Gelenk herum“, sondern reguliert das gesamte Spannungs- und Bewegungssystem, in das das Gelenk eingebettet ist.
Über Meridianarbeit, Faszienbezug und achtsamen Druck wird Spannung aus Muskeln und Bindegewebe gelöst – das Gelenk wird entlastet.
Viele arthrotische Schmerzen sind neuro-sensibilisiert. Shiatsu aktiviert den Parasympathikus und reduziert Schmerzverstärkung auf neurologischer Ebene.
Sanfte Mobilisation, Halten und Dehnimpulse verbessern die Versorgung des umliegenden Gewebes und unterstützen die Gelenkflüssigkeit.
Je nach betroffenem Gelenk (Knie, Hüfte, Wirbelsäule, Hände) werden unterschiedliche funktionelle Zusammenhänge berücksichtigt. Arthrose ist nie nur lokal.
In der Shiatsu-Praxis lautet die Antwort: Es kommt darauf an.
Eine bewährte Reihenfolge ist:
Nahrungsergänzungsmittel können unterstützend eingesetzt werden und sehr essentiell sein. Häufig genannt werden Vitamin D, B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren oder entzündungsregulierende Pflanzenstoffe (z.B. Kurkuma). Ob und was sinnvoll ist, hängt stark von der individuellen Situation ab und sollte medizinisch abgeklärt werden.
Dieser Hinweis dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Arthrose ist kein Schicksal, das man hinnehmen muss – aber auch kein Problem, das sich „wegbehandeln“ lässt. Sie fordert Regulation, Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit zwischen Körper, Nervensystem und Lebensstil.
Shiatsu bietet hier einen sanften, tiefgehenden und realistischen Ansatz, der nicht reparieren will, sondern unterstützt, entlastet und begleitet.
