06 Jan
06Jan

Arthrose gilt landläufig als klassische „Alterserscheinung“. Doch diese Vorstellung greift zu kurz. In meiner Praxis – und das deckt sich mit aktuellen medizinischen und körpertherapeutischen Erkenntnissen – begegnen uns arthrotische Veränderungen zunehmend auch bei jüngeren Menschen. Dieser Artikel bringt Klarheit: Was Arthrose wirklich ist, warum sie entsteht und welche Rolle Shiatsu dabei spielen kann.


Was ist Arthrose eigentlich?

Arthrose ist eine degenerative Gelenkveränderung, bei der sich der Gelenkknorpel schrittweise abbaut. Der Knorpel dient als Gleit- und Schutzschicht zwischen den Knochen. Wird er dünner, trockener oder rissig, steigt die Reibung im Gelenk. Die Folge können sein:

  • Schmerzen (belastungsabhängig oder in Ruhe)
  • Steifheit, vor allem morgens oder nach Pausen
  • Bewegungseinschränkungen
  • entzündliche Schübe
  • strukturelle Umbauten am Knochen (z. B. Osteophyten)

Wichtig: Arthrose ist kein reiner Verschleiß, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus mechanischer Belastung, Gewebestoffwechsel, Nervensystem und Regenerationsfähigkeit.


Warum bekommen auch junge Menschen Arthrose?

Das Alter begünstigt Arthrose – es ist aber nicht die Ursache. Arthrotische Prozesse beginnen oft Jahre oder Jahrzehnte früher.

Häufige Auslöser sind:

1. Fehl- und Überbelastung

Einseitige Bewegungsmuster, schwere körperliche Arbeit, intensiver Sport oder schlecht verheilte Verletzungen verändern langfristig die Gelenkmechanik.

2. Bewegungsmangel

Gelenkknorpel wird nicht direkt durchblutet. Er ist auf Bewegung, Druck- und Entlastungswechsel angewiesen. Ohne diese „Ernährung“ verliert er an Qualität.

3. Chronische Muskel- und Faszienspannung

Dauerhaft erhöhter Muskeltonus zieht Gelenke aus ihrer natürlichen Zentrierung. Druck verteilt sich ungünstig – das Gelenk arbeitet permanent unter Stress.

4. Stress und Nervensystem

Chronischer Stress erhöht die Grundspannung im Körper, verschlechtert Regeneration und verstärkt Schmerzwahrnehmung. Arthrose ist oft auch ein neurophysiologisches Thema.

5. Stoffwechsel- und Entzündungsfaktoren

Stille Entzündungen, hormonelle Dysbalancen oder ein überlasteter Stoffwechsel können degenerative Prozesse beschleunigen.


Arthrose aus Shiatsu-Sicht – ein anderer Blickwinkel

Shiatsu betrachtet Arthrose nicht isoliert als „kaputtes Gelenk“, sondern als Ausdruck von gestörtem Fluss, mangelnder Anpassungsfähigkeit und chronischer Überlastung.

Wichtig und ehrlich:

Shiatsu kann keinen verlorenen Knorpel regenerieren.

Aber Shiatsu kann sehr wohl:

  • Schmerzen lindern
  • Beweglichkeit verbessern
  • Entzündungsneigung beruhigen
  • Spannung aus dem Gelenk nehmen
  • das Fortschreiten positiv beeinflussen
  • Lebensqualität deutlich erhöhen

Wie Shiatsu bei Arthrose konkret unterstützt

1. Regulation statt Manipulation

Shiatsu arbeitet nicht „am Gelenk herum“, sondern reguliert das gesamte Spannungs- und Bewegungssystem, in das das Gelenk eingebettet ist.

2. Entlastung der Gelenkstrukturen

Über Meridianarbeit, Faszienbezug und achtsamen Druck wird Spannung aus Muskeln und Bindegewebe gelöst – das Gelenk wird entlastet.

3. Beruhigung des Nervensystems

Viele arthrotische Schmerzen sind neuro-sensibilisiert. Shiatsu aktiviert den Parasympathikus und reduziert Schmerzverstärkung auf neurologischer Ebene.

4. Förderung von Durchblutung und Versorgung

Sanfte Mobilisation, Halten und Dehnimpulse verbessern die Versorgung des umliegenden Gewebes und unterstützen die Gelenkflüssigkeit.

5. Individuelle, gelenkspezifische Arbeit

Je nach betroffenem Gelenk (Knie, Hüfte, Wirbelsäule, Hände) werden unterschiedliche funktionelle Zusammenhänge berücksichtigt. Arthrose ist nie nur lokal.


Öffnen, mobilisieren oder halten – was ist richtig?

In der Shiatsu-Praxis lautet die Antwort: Es kommt darauf an.

  • Halten wirkt stabilisierend, regulierend und schmerzlindernd – besonders bei überreizten oder „verängstigten“ Gelenken.
  • Sanfte Mobilisation und Rotation sind sinnvoll, wenn das Nervensystem ruhig genug ist und keine akute Entzündung vorliegt.
  • Kräftigen durch das Stärken von Meridianen und mehr Fluß, für eine bessere Organisation und Zentrierung eines Gelenks.

Eine bewährte Reihenfolge ist:

  1. Nervensystem regulieren
  2. Spannung entlasten
  3. Raum halten und integrieren
  4. behutsam mobilisieren

Kurz zu Nahrungsergänzungsmitteln (ohne Gewähr)

Nahrungsergänzungsmittel können unterstützend eingesetzt werden und sehr essentiell sein. Häufig genannt werden Vitamin D, B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren oder entzündungsregulierende Pflanzenstoffe (z.B. Kurkuma). Ob und was sinnvoll ist, hängt stark von der individuellen Situation ab und sollte medizinisch abgeklärt werden.

Dieser Hinweis dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.


Arthrose neu denken

Arthrose ist kein Schicksal, das man hinnehmen muss – aber auch kein Problem, das sich „wegbehandeln“ lässt. Sie fordert Regulation, Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit zwischen Körper, Nervensystem und Lebensstil.

Shiatsu bietet hier einen sanften, tiefgehenden und realistischen Ansatz, der nicht reparieren will, sondern unterstützt, entlastet und begleitet.

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